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Editorial: Eine Ära geht zu Ende

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Vor mehr als 25 Jahren reifte bei einigen Vereinen und Verbänden aus dem Gesundheitswesen der Wunsch, stärker aufeinander zuzugehen und sich in der Arbeit zu vernetzen. Die erste erfolgversprechende Zusammenarbeit entwickelte sich sehr schnell bei überregionalen Messen der Gesundheitswirtschaft in Hannover, Düsseldorf und Nürnberg. Ich war damals Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins für Krankenhauscontrolling e.V. (DVKC) und erinnere mich noch sehr genau daran, dass der überwiegende Teil der Vereine und Verbände aus dem Gesundheitswesen nicht mehr mit eigenen Ständen, sondern mit einem Gemeinschaftstand an diesen Messen teilnahmen. Das ermöglichte, die Kräfte in Vorbereitung und Durchführung der Messen zu bündeln und erhebliche Kosten bei den einzelnen Vereinen und Verbänden zu sparen.

Um die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Gesundheitswesen weiter zu vertiefen, hatte Max Heymann vom Fachverband für Einkäufer, Materialwirtschaftler und Logistiker im Krankenhaus e.V (femak) die zündende Idee, einen Dachverband zu gründen, in dem sich alle interessierten Vereine und Verbände aus dem Gesundheitswesen organisieren können. So entstand vor mehr als 23 Jahren das Krankenhaus-Kommunikations-Centrum (KKC) als Gesellschaft zur Förderung interdisziplinärer Zusammenarbeit in den Einrichtungen des Gesundheitswesens. e.V. mit Sitz in Düsseldorf. Mit viel Elan und Freude wurde die Idee des Vereins von Anfang an erfolgreich umgesetzt. Vereine und Verbände, die anfangs noch zögerten, dem neu gegründeten KKC beizutreten, erklärten recht bald ihre Mitgliedschaft.

Zum absoluten Schwerpunkt der Arbeit des KKC wurde die Fiktion, vorhandene Schnittstellen im Gesundheitswesen zu überwinden und Brücken zu schaffen. Dieser Gedanke wurde auch Ende der 1990er Jahre zum Symbol des Gemeinschaftsstandes des KKC auf der Medica in Düsseldorf, der sich damit zugleich zu einer großen Verbändeinsel innerhalb der Messe entwickelte und zu einem vielbeachteten Forum für Gesundheitsprofis wurde. Leider fand diese beispielhafte Entwicklung durch die Corona-Pandemie im Jahr 2019 ein jähes Ende.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit der Vereine und Verbände im KKC führte kurz nach der Jahrtausendwende zum Wunsch, verstärkt gemeinsame Bildungsveranstaltungen zu organisieren. Besonders Ludwig Noll vom Verband der medizinischen Gipspfleger und -schwestern e.V. (DVG) forderte die Gründung einer Akademie des KKC. Sie wurde im Jahr 2002 auf der Mitgliederversammlung des KKC in Würzburg als VICENNA-Akademie gegründet. Ihr erstes großes Anliegen war die Umsetzung des Bologna-Prozesses als Beitrag zur Qualifizierung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Gesundheitswirtschaft. Als erste Bildungseinrichtung in Deutschland entwickelte der Gründungsdirektor ein Curriculum für ein Studium zum Master für Management und Controlling in der Gesundheitswirtschaft, dass das Präsidium des KKC beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft (MKW) des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zur Bestätigung einreichte. Dort wurde es anerkannt. Damit es in der Lehre umgesetzt werden konnte, schloss der Geschäftsführer des KKC, Lothar Wienböker, einen Kooperationsvertrag mit der Staatlich anerkannten privaten Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld (FHM) ab. Danach wurde der Studiengang an dieser Hochschule akkreditiert und konnte in Kooperation mit der VICENNA-Akademie durchgeführt werden. Die FHM wurde vom KKC bewusst als Kooperationspartner gewählt, da viele Unternehmen in der Gesundheitswirtschaft die Größe eines mittelständigen Unternehmens haben und damit das mittelständige Know-how für das Studium eine besondere Bedeutung hatte. Die Kooperation zwischen dem KKC und der FHM wurde besonders vom Kreis Herford, dem Sitz der Geschäftsstelle des KKC, unterstützt.

Neben dem Masterstudium führt die VICENNA-Akademie in Kooperation mit dem Deutschen Verein für Krankenhaus-Controlling e.V. (DVKC) sehr erfolgreich ein Postgraduate Qualifizierungsprogramm für Ingenieure und Techniker aus dem Bereich der Medizintechnik durch, das mit einer Diplomarbeit und der Berufsbezeichnung Technischer Fachcontroller in der Gesundheitswirtschaft abschloss. In Kooperation mit dem Verband der medizinischen Gipspfleger und -schwestern e.V. (DVG) und dem Klinikum Stuttgart wurde länderübergreifend eine Fachausbildung mit hohem Praxisanteil zur Gipsfachkraft mit VICENNA-Diplom durchgeführt. Die Nachfrage war stets so groß, dass es mehr Bewerbungen als Studienplätze gab. Der Studienleiter war Ludwig Noll, der eine sehr hohe Fachexpertise auf diesem Gebiet hatte. Der geplante Gipsmaster, für den das entsprechende Curriculum bereits ausgearbeitet war, konnte nach dem Tod von Ludwig Noll leider nicht mehr realisiert werden, da kein geeigneter Studienleiter gefunden werden konnte. Die VICENNA-Akademie hat darüber hinaus viele kurzfristige Weiterbildungsveranstaltungen und Fachvorträge angeboten.

Bedauerlicherweise gehen nunmehr nach 23 Jahren die Aktivitäten des KKC und der VICENNA-Akademie zu Ende. Daran war vor drei Jahren, als das Präsidium zum 20jährigen Bestehen nach Herford eingeladen hatte, nicht zu denken. Die bei diesem Anlass vorgestellten zukünftigen Pläne des KKC waren viel versprechend. Doch die Corona-Pandemie hat das KKC an seine finanziellen Grenzen gebracht. Außerdem stehen der Präsident und der Geschäftsführer aus Altersgründen bei einer Neuwahl des Präsidiums nicht mehr zur Verfügung. Nachfolger für diese Positionen stehen aus den Mitgliedsverbänden des KKC bisher nicht zur Verfügung.

Wenn am 31.Dezember 2022 das KKC aus dem Vereinsregister in Bad Oeynhausen gelöscht werden sollte, bleibt dennoch die Idee der interdisziplinären Zusammenarbeit als wichtigstes Erfordernis in der Gesundheitswirtschaft erhalten. Daher sollten Nachfolgerinnen und Nachfolger für das Präsidium den KKC 2.0 wieder beleben oder neu gründen und weiterentwickeln. Auch die VICENNA-Akademie hat das Potential als selbstständige staatlich anerkannte Bildungseinrichtung, wie es bei ihrer Gründung im Jahr 2002 bereits festgelegt war, wieder zu entstehen.

Abschließend möchte ich feststellen, dass alle Erfolge des KKC in den vergangenen 23 Jahren und alle erworbenen Abschlüsse der Absolventen der VICENNA-Akademie nicht entwertet sind, sondern für immer bestehen bleiben.

Mit meinem Alter gehöre ich zur Hybridgeneration, die noch den traditionellen Buchdruck mit beweglichen Lettern kannte und das Orientieren mit Landkarte und Kompass beherrschte sowie jetzt voll in die Digitalisierung auf allen Gebieten der Gesellschaft integriert ist und das Neuentstandene beherrscht. In diesem Sinne werde ich mich auch weiterhin mit den Idealen des KKC und dem ständigen Fortschritt in der Gesundheitswirtschaft verbunden fühlen sowie die weitere Entwicklung der interdisziplinären Zusammenarbeit unterstützen. Ich wünsche allen bisherigen Mitgliedern des KKC für die Zukunft viele Erfolge zum Wohle der deutschen Gesundheitswirtschaft. Wenn es uns immer wieder von Neuem gelingt, die Chancen und Gefahren in der Gesundheitswirtschaft zu erkennen, zu nutzen bzw. abzuwenden, werden wir die unserer Gesellschaft relevanten freiheitlichen und pluralistischen Strukturen auch in Zukunft auf dem Gebiet der interdisziplinären Zusammenarbeit der Vereine und Verbände im Gesundheitsbereich sichern, erhalten und fortführen.

Professor Dr. rer. oec. habil. Herbert Schirmer

Ehrenpräsident des KKC

Ehrenvorsitzender des DVKC

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