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Editorial: Ziele bleiben bestehen, auch wenn sich die Maßnahmen ändern.

Wienboeker 0

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dass sich die dauerhafte Erreichung und Sicherung von Zielen nur mit aktuell angepassten Maßnahmen erreichen lässt und definierte dieses als Eigenschaft der Nachhaltigkeit.

Eine der Maßnahmen mit einem Zusammenschluss der Berufsverbände die interdisziplinäre Kommunikation in der Gesundheitswirtschaft zu erreichen, wird nun nicht mehr weiterverfolgt, weil bei vielen Akteuren andere Methoden augenscheinlich optimaler geworden sind.

Mehr als 20 Jahre haben die Aktivisten des KKC e.V. durch gemeinsame Zusammenkünfte die Möglichkeiten genutzt, in persönlichen Gesprächen von Angesicht zu Angesicht, mehr voneinander zu lernen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Die Pandemie-Isolation hat diese Form des Miteinanders verhindert und „modernere“ Formen des Gespräches haben sich etabliert.

Warum also Fahrt- und gegebenenfalls Übernachtungskosten investieren, wenn es mit Telefonkonferenzen, Video-Seminaren oder WhatsApp-Aktionen bequemer und kostengünstiger möglich ist, miteinander zu reden?

Stimmt diese Aussage wirklich oder werden hier die berühmten Äpfel mit den Birnen verglichen?

Natürlich sind Information, manchmal auch Kommunikation und sogar Netzwerkbildung und -nutzung durch die elektronische Medienwelt möglich, aber ersetzen diese Instrumente das persönliche Gespräch?

Die Beantwortung dieser Frage hängt erkennbar vom Lebensalter und den Erfahrungen der Befragten ab. Es ist keinesfalls eine Kritik, wenn ich als Senior feststelle, dass es immer mehr Zeitgenossinnen und -genossen gibt, die keine Vergleichsmöglichkeiten haben, weil sie die (angeblich alten) Kommunikationsformen nicht kennen.

Viele haben den Unterschied noch nicht oder nicht mehr erlebt, der darin besteht, ob man den Gegenüber am hochauflösenden Bildschirm oder persönlich, insbesondere im Umfeld einer Veranstaltung, erlebt und kennenlernt.

Ich bin positiv überrascht, wieviel Mitglieder, insbesondere die Langjährigen, zum Telefon gegriffen haben und mich anriefen, als ich Ihnen das Ende der Mitgliedschaft wegen Auflösung des Vereins per Mail mitgeteilt hatte.

Keiner der alten Weggefährten hat, statt des Telefons, andere Medien genutzt, obwohl ich auch in allen Netzwerken Mitglied bin.

In diesen teils ausführlichen Gesprächen wurde meine Wahrnehmung bestätigt, dass viele unserer Mitgliedsverbände feststellen müssen, dass der Mitgliederanteil bei ihren Veranstaltungen abnimmt und viele Gäste nicht als neue Mitglieder gewonnen werden können. Ebenso sind unter den Gästen Kolleginnen und Kollegen aus anderen Berufsgruppen kaum vertreten.

Daraus darf ich folgern, dass erstens Vereinsmitgliedschaften nicht mehr den Stellenwert besitzen und viele glauben, dass es ausreicht, viele Follower zu haben und gut vernetzt zu sein. Zweitens wird kaum noch über den Tellerrand geschaut und sich mit den Vorstellungen und Ideen der Kolleginnen und Kollegen beschäftigt, mit welchen- nur gemeinsam- die täglichen Arbeitsergebnisse sichergestellt werden können.

Wenn also das Ziel der interdisziplinären Kommunikation weiterhin verfolgt werden soll, müssen die Aktivitäten künftig mehr vom Dialog als vom selbstbezogenen Monolog geprägt sein.

In der Hoffnung, dass unsere Mitglieder, welche uns, zum Teil Jahrzehnte die Treue gehalten haben, auch künftig die geeigneten Maßnahmen anwenden, das Ziel zu erreichen und sicherzustellen, verabschiedet sich zum Jahresende in den Ruhestand

Lothar Wienböker

Geschäftsführer des KKC e.V.