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Editorial: Beschaffungsstrategien überdenken

Manfred Kindler 0
Heidemarie Hille (Vizepräsidentin KKC e.V.)
Lothar Wienböker (Geschäftsführer KKC e.V.)

Die aktuelle Situation erfordert ein kritisches Hinterfragen, ob die so oft propagierten Strategien weiterhin Geltung haben oder ob es nicht angebracht ist, neue Wege zu beschreiten und eventuell einen Schritt zurückzugehen.

Wer in der Vergangenheit die englischen Begriffe global sourcing, make or buy und just in time als alternativlose Strategien bei Beschaffungen propagierte, muss nun feststellen, dass dieses inzwischen nicht immer funktioniert.

Mittlerweile bekommt die Fragestellung, von wo man die Produkte bezieht eine größere Bedeutung, denn der Lieferant muss nicht nur faire Arbeitsbedingungen für seine Arbeitnehmer garantieren und ökologisch unbedenklich produzieren, sondern es werden zu Recht auch politische Maßstäbe angelegt. Insgesamt ist somit eine Neubewertung des Kaufs von Waren aus Fernost nicht nur im Hinblick auf das neue Lieferkettengesetz unbedingt notwendig.

Dringend geboten sind Digitalstrategien zu entwickeln, um u.a. ein vorausschauendes Bestandsmanagement einzuführen, intraorganisatorische Prozessanpassungen vorzunehmen und sinnvolle Strukturen zu etablieren.

Der Austausch eines bedenklichen Vertragspartners, nur weil der andere bereit ist, ohne Erpressung zu liefern, ist sicherlich keine optimale Dauerlösung.

Was nutzt es der kontinuierlichen Produktion, wenn das Material des Zulieferers -falls Container überhaupt vorhanden sind- zu spät oder überhaupt nicht eintrifft? Dann stellt sich die Eigenfertigung als mögliche alternative, wenn auch kostenintensivere Lösung da, wenn man Kurzarbeit vermeiden will.

Eine Eigenprodiktion ohne Vorratshaltung ist aber kaum möglich und bedarf Lagerraum, der nicht vorhanden ist. Die Lagerung in den sich auf den Autobahnen und den Grenzübergängen stauenden LKWs hat sich als nicht optimal herausgestellt. Eine nachhaltige Beschaffung und dabei die Reduktion der Umweltbelastung nicht aus den Augen zu verlieren, das geht anders.

Es ist zu vermuten, dass weniger Transporte auch einen Umweltbeitrag leisten.

Die Kapitalbildung durch Lagerware ist bei dem derzeitigen Zinsniveau auch anders zu bewerten als zu den Zeiten, als der Begriff just in time propagiert wurde.

Generell ist zu prüfen, ob Deutschland sich weiterhin durch global sourcing in Abhängigkeiten begibt und auf die Eigenproduktionen innovativer Techniken -insbesondere bei erneuerbaren Energien- verzichtet.

Eine beispielsweise in Fernost produzierte und CO2-intensiv nach Deutschland transportierte Solaranlage kann nicht wirklich dem Klimaschutz dienen. Klimaneutralität sollte auch für den Mittelstand und dabei speziell für die Gesundheitswirtschaft kein leeres Schlagwort bleiben.

Es gilt also künftig und auf Deutsch:

Beschaffung ist die nachhaltige ökologische und ökonomische Bereitstellung der Güter zum Zeitpunkt der Produktion