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Deutsche Klinik-Technik bald in der Hand von Google & Co?

Alfred Kuczera 0
Autor dieses KKC-Beitrags: Dr. Jürgen Knipps, DIMS GmbH & Co KG, Brieske, Deutschland

Die Zukunftstechnologien sowie die individualisierte Medizin schaffen neue Herausforderungen im Gesundheitswesen. Für die effiziente und sichere Umsetzung dieser Aufgaben ist die Schaffung von Auflagen und Regeln sowie dazu passende Lösungen zur Datenerfassung, -verarbeitung, -nutzung und -speicherung dringend erforderlich. Digitale Machtkonzentrationen, Datenmissbrauch und nicht legalisierte Überwachungswerkzeuge sind wirksam zu verhindern.

Datenräuber im Aufschwung

Die durch Milliarden Dollar Investitionen finanzierte totale Vernetzung im Gesundheitswesen 4.0 verändert die aktuelle Arbeitswelt auch in allen Fachabteilungen der Kliniken, insbesondere in den technischen Bereichen natürlich. Schädlicher Nebeneffekt: Durch Krypto-Trojaner und Ransomware wurden 2017 eine Milliarde Datensätze gestohlen.

Die Bedrohungen durch den zunehmend praktizierten Datenraub durch kommerzielle Verwerter der Gesundheitsdaten werden von der Regierung und der Bevölkerung in ihrer Dramatik immer noch nicht konsequent wahrgenommen.

Insbesondere global aktive IT-Giganten wie Google, Amazon, Facebook, Apple und Alibaba sammeln trotz DSGVO und BDSG unkontrolliert und von der Öffentlichkeit vielfach noch unbemerkt Gesundheitsdaten, um ihre BigData-Analysen für die KI-Systeme zu füttern.

Fragestellungen

Die Entwicklung von Antworten auf dringende Fragen wird immer wichtiger:

  • Wieweit sind Fehlentwicklungen im deutschen Gesundheitswesen bereits heute schon zu beobachten? Was sollte daraus gelernt werden?
  • Wie können die Gesundheitsdaten in den Klinikfachabteilungen so gesichert werden, dass sie nicht unbefugt und unbemerkt von kommerziellen Verwertern abgegriffen werden?
  • Wie weit sind die Abteilungen der Medizintechnik und Krankenhausbetriebstechnik für den Datenschutz direkt und indirekt verantwortlich?
  • Wie können Millionenschäden und menschliche Schicksale, ausgelöst durch Hackerangriffe und Erpressungen, durch moderne Kliniktechnik in den Risiken ausreichend reduziert werden?
  • Welche Technologien und andere Lösungen stehen den Verantwortlichen konkret zur Verfügung, besonders bei den neuen Herausforderungen wie Internet der Dinge, elektronische Patientenakten, RFID-Chips, usw.?
  • Wie muss das Risikomanagement gestaltet oder erweitert werden, damit die neuen Strukturen der digitalen Kommunikation in ihrer Gefährdung erkannt, analysiert und wirksam abgesichert werden?

Und nicht zuletzt ist zu klären, wie der Verkauf von aufbereiteten Gesundheitsdaten der Patienten und Kliniken legal organisiert werden kann, dass der Erlös den Eigentümern der Daten und nicht unkontrolliert und kostenlos den kommerziellen Datenraubrittern zufließt?

Anforderungen

Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen 100%igen Schutz beim Datenaustausch. Die Kette der Informationsübermittlung reißt immer am schwächsten Glied. Die Hürden für einen Datenraub sind daher so hoch anzusetzen, dass der Aufwand in Zeit oder Geld für eine Überwindung unattraktiv ist. Dabei muss das Handling von Daten zwischen den legitimierten Empfängern unkompliziert sein. Die Verschlüsselung der Daten hat technisch transparent aber inhaltlich hochsicher sein. Eine asymmetrische Verschlüsselung ist vorzuziehen.

Lösungswege

Ein wirksames Instrument zur Sicherung des Datenschutzes und Herstellung von Zugriffstransparenz auf vertrauliche Daten ist die kryptografische Verkettung von Informationen durch die Blockchain-Technologie. Sie eliminiert alle bisher notwendigen Zwischeninstanzen durch eine dezentrale Struktur mit direkt agierenden, registrierten, eindeutig identifizierbaren Teilnehmern. Jeder Datenaustausch erfolgt dezentral und transparent ohne irgendeine Möglichkeit der Manipulation.

Sogenannte Smart Contracts ermöglichen direkte, hochverschlüsselte Verträge von Krankenkassen mit Krankenhäusern und anderen Anbietern der Gesundheitswirtschaft.

„Der Patient bleibt Herr der Daten!“

Die Blockchain-Technologie kann den täglichen Abfluss sensibler Gesundheitsdaten an internationale Konzerne unterbinden, indem die Zwischenstufe der Datenspeicherung in einer Anbieter-Cloud überflüssig wird.

Für diesen Zugang werden zurzeit von hochpotenten Finanziers Milliarden in den Kauf von deutschen Arzt- und Zahnarztpraxen, Reha- und Augenkliniken sowie medizinischen Laboratorien investiert. Durch unkontrollierte Datenflüsse beklagen wir zudem einen Abrechnungsbetrug in Höhe von 30 Milliarden Euro pro Jahr im Pflege- und Laborbereich.

Die Zeitschrift MTD warnte bereits 2014: „Firmenverkäufe gefährden den MT-Standort Deutschland“ und fordert 2018 erneut: „Stopp dem Ausverkauf der Medizintechnik!“. Da 70 % der Diagnostikentscheidungen in einer Klinik auf Ergebnissen der medizinischen Laboratorien basieren, ist diese Branche besonders lukrativ für finanzstarke und datenhungrige Investoren, was sich zurzeit in gewaltigen Aufkäufen und Fusionen von Laboren manifestiert.

Beispiellösung

Der Datenzugriff erfolgt durch eine einfache Vorgabe der Datenräuber in der Laborlogistik: Die durch spezielle Barcodes verschlüsselten Informationen werden in einer externen Cloud zur Weiterverarbeitung zwischengespeichert, das Labor selbst ist nicht mehr „Herr seiner Daten“.

Eine Möglichkeit, wie man bei der Prozessoptimierung im Wareneingang und Warenausgang diese Abgabe der Daten an externe Dritte vermeiden kann, zeigt die E-Commerce Software COMED SHS Scan & Go beispielhaft auf. Sie verhindert die Abhängigkeit vom externen Zwischenspeicher, indem sie sämtliche Typen von Barcodes und RFIDs der weltweiten Lieferanten mit allen Daten mit Smart-Scanner auf dem eigenen Serversystem einliest und für die Materialogistik direkt zur Verfügung stellt. Anwendungsbeispiele werden beim Vortrag vorgestellt.

Schlussbemerkung

Durch die umfassende Kommerzialisierung von Gesundheitsleistungen und die völlig unzureichende Förderung der Digitalisierungstechnologien hat das Krankenhaus 4.0 in Deutschland und wohl auch Europa längst den Anschluss an die Zukunft verloren. Amerikanische und chinesische IT-Riesen wie Apple, Google, IBM, Microsoft und Alibaba sind schon vor Jahren mit Milliarden-Investitionen in unseren lukrativen Gesundheitsmarkt eingestiegen und gefährden die Stabilität der Arbeitsplätze in vielen Bereichen der Gesundheitswirtschaft.

Quelle: KKC

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